Die Initiative

Die Vernetzungsinitiative „Gemeinsam für das Quartier“ war von 2020 bis 2025 ein Projekt der Nationalen Stadtentwicklungspolitik. Sie hat neue Partnerschaften zu Gunsten einer aktivierenden, kooperativen und gemeinwesenorientierten Entwicklung unserer Quartiere, Stadtzentren, ländlichen Räume und Kleinstädte befördert. In diesem Bereich setzen sich bereits viele unterschiedliche Akteure tatkräftig ein: Etablierte Protagonisten wie Kommunen, die Wirtschaft oder Immobilienunternehmen genauso wie Player aus Zivilgesellschaft, Kreativwirtschaft, Kultur und Soziokultur sowie Intermediäre.

Allerdings ziehen sie nicht immer an einem Strang oder kennen die andere Seite manchmal kaum. Dies wollte die Initiative „Gemeinsam für das Quartier“ ändern: Realisiert wurde eine Vernetzung, die Bildung von Allianzen vor Ort und ein bundesweite Austausch. Die Moderation und Organisation der Vernetzungsinitiative übernahmen der Deutsche Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e.V. sowie STADT ALS CAMPUS e.V. Gefördert wird das Vorhaben vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen sowie dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Rahmen der Nationalen Stadtentwicklungspolitik.

Die Vernetzungsinitiative startete im Februar 2020. Die teilnehmenden Verbände, Organisationen, Netzwerke, Initiativen und Expert:innen tauschten sich aus, erarbeiteten Handlungsempfehlungen und einigten sich auf künftige Arbeitsschwerpunkte. Ab Frühjahr 2021 wurde die Vernetzungsinitiative mit einer Reihe von Werkstatt-Veranstaltungen fortgeführt, die sich abwechselnd auf das Quartier, Zentren sowie auf Kleinstädte und den ländlichen Raum konzentrierten. Es sollte herausgefiltert werden, welche Organisationsstrukturen und Geschäftsmodelle es in der ko-produktiven Stadtentwicklung gibt, welche Funktion kulturelle und künstlerische Strategien für Stadt und Gesellschaft haben und wie Eigendynamiken entstehen.

Im Ergebnis wurden Orte, Formate und Strategien herausgearbeitet, die ein besonders hohes Potenzial für Innovation sowie Transformation haben und die übertragbar sind. In einem zweiten Schritt wurden diese dann in Praxiswerkstätten vor Ort erprobt. Neben dem Wissenstransfer und der Vernetzung wurde die Initiative zudem in die Nationale Stadtentwicklungspolitik sowie in andere Politikfelder eingebunden und die Fachöffentlichkeit über die Arbeit von „Gemeinsam für das Quartier“ informiert.

Von 2023 bis 2025 wurde der Austausch und die Zusammenarbeit im Netzwerk gezielt vertieft und erweitert. Herzstück der Arbeit waren die Stadtlabore, in denen die Vernetzungsinitiative ausgewählte Praxisbeispiele über einen längeren Zeitraum begleitete die lokalen Akteure mit der Expertise des bundesweiten Netzwerks unterstützte. Im Fokus standen kulturelle Stadtentwicklung in Wohnquartieren, die Transformation von Innenstädten, die Entwicklung Dritter Orte sowie die gemeinwesenorientierte Transformation von Großimmobilien.

Die Mitwirkenden

„Gemeinsam für das Quartier“ beförderte Vielfalt, Offenheit und Kooperation der mitwirkenden Akteure. Kommunale Wohnungsbaugenossenschaften und studentische Experimente, Wirtschaftsförderung und soziokulturelle Zentren, Coworking Spaces und Projektentwickler:innen, kreative Gründer:innen und Stadtverwaltungen – sie alle trafen in der Vernetzungsinitiative aufeinander. Insbesondere waren die folgenden Bereiche vertreten:

  • Verbände, Netzwerke und Initiativen
  • Stiftungen
  • Gebietskörperschaften
  • die Stadt-, Immobilien- und Projektentwicklung
  • das Zentren-, Quartiers- und Community-Management
  • die Kultur, Soziokultur sowie Kultur- und Kreativwirtschaft
  • Mittler und Intermediäre

Die Mitwirkenden der inzwischen beendeten Initiative verstehen sich als Kurator:innen, Ermöglicher:innen und Wegbereiter:innen. Mit ihren Praxisbeispielen und ihrem Erfahrungsschatz zeigen sie auf, wie man eine aktivierende Zentren-, Quartiers-, Dorf- oder Kleinstadtentwicklung angehen kann – ohne Blaupausen oder standardisierte Beratungsangebote. Sie haben gemeinsam Initiativen und Methoden entwickeln und an beispielhaften Vorhaben vor Ort zusammengewirkt. Ziel der Vernetzungsinitiative war das Entstehen einer eigendynamischen Zusammenarbeit im Alltag der Stadtentwicklung. Eine vereins- oder verbandsartige Institutionalisierung mit festen Mitgliedschaften oder einer differenzierten Organisationsstruktur wurde nicht angestrebt.

Die Mitwirkenden agierten in ihrem Selbstverständnis als Verbündete. Die Netzwerkinitiative war von einer grundlegenden Offenheit, Kooperation und einem informellen Charakter geprägt. Im Sinne eines „Open Source“-Ansatzes wurden Wissen und Erfahrung vertrauensvoll und offen ausgetauscht. Die Mitwirkenden bekannten sich zu einer gemeinwesenorientierten, kooperativen und aktivierenden Stadtentwicklung. Sie nutzten die Plattform nicht vorrangig für eigene wirtschaftliche Akquise, das Abgreifen von Wissen oder die Vermarktung an anderer Stelle. Dem Grundgedanken der Neuen Leipzig-Charta folgend, wurde hier Stadtentwicklung vielmehr als „Gemeinschaftswerk aller Akteure“ verstanden.

UNSERE FORMATE

Die Initiative „Gemeinsam für das Quartier“ legte ihren Schwerpunkt seit Frühjahr 2021 darauf, neue Impulse zu gewinnen.

  • Wie ist der Stand von Ko-Kreation und Ko-Produktion in der gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung?
  • Welche Organisationsstrukturen, welche Finanzierungs- und Geschäftsmodelle sind zielführend?
  • Welche Funktion haben kulturelle und künstlerische Strategien für die Stadtgesellschaft?
  • Wie entsteht Eigendynamik?

Diesen Fragen ging die Initiative in einer Reihe sogenannter „Perspektiven-Werkstätten“ nach. Bei diesen Online-Veranstaltungen, die auf Praxis-Inputs und interaktivem Austausch basierten, brachten sich die Mitwirkenden von „Gemeinsam für das Quartier“ abwechselnd mit ihren Projekten und Erfahrungen ein.

Gentrifizierter Großstadtkiez, Leerstand in der Fußgängerzone, wiederbelebter Dorfkern – je nach Ort unterschieden sich die Herausforderungen enorm. Deshalb nahmen die Perspektivenwerkstätten abwechselnd drei räumliche Handlungsfelder in den Blick:

1) Die Entwicklung von Zentren,

2) die Quartiersentwicklung sowie

3) die Entwicklung von Klein- und Mittelstädten sowie des ländlichen Raums.

Welche ORTE, FORMATE und welche STRATEGIEN bringen eine aktivierende, kooperative und gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung ganz besonders voran?

Dies konnten die Perspektiven-Werkstätten mit dem Vorstellen verschiedener guter Beispiele herauskristallisieren. ORTE sind dabei zum Beispiel Mixed-Use-Immobilien mit einer besonders gelungenen Nutzungsmischung oder sogenannte Dritte Orte, also durch Gemeinschaft und Zufallsbegegnungen geprägte öffentlich zugängliche Räume, die weder der Arbeit noch dem „Zuhause“ zugeordnet werden können. Unter das Schlagwort FORMATE fallen Spielarten einer kulturellen und performativen Stadtentwicklung wie etwa Theaterinszenierungen im öffentlichen Raum. Unter STRATEGIEN schließlich sind Masterpläne oder Strukturen wie das Quartiersmanagement zu verstehen. Im Ergebnis entstand eine Typologie von den ORTEN, FORMATEN und STRATEGIEN, die ein besonders hohes Potenzial für Innovation und Transformation haben.

Anknüpfend fanden ab Herbst 2021 in Praxiswerkstätten vor Ort ko-kreative Veranstaltungs- und Projektentwicklungsformate statt. Ziel der Praxiswerkstätten war es, lokale Vorhaben mit besonderem Innovationspotenzial im Rahmen der Projektentwicklung oder der Prototypenentwicklung zu begleiten, zu befördern und dabei Erkenntnisse und Erfahrungen für die Praxis zu gewinnen.

Aufbauend auf der bisherigen Arbeit konzentrierte sich die Vernetzungsinitiative in den Jahren 2023 bis 2025 auf drei Schwerpunktthemen: kulturelle Stadtentwicklung in Wohnquartieren, Innenstadtentwicklung sowie Dritte Orte und die Transformation von Großimmobilien. Diese wurden im Rahmen von drei parallel laufenden Stadtlaboren über einen Zeitraum von drei Jahren bearbeitet.

Für zusätzliche Impulse veranstaltete die Vernetzungsinitiative ab 2023 punktuelle Vor-Ort-Workshops oder mehrtägige Fachtagungen. Diese dienten dazu, anhand von Beispielen mit Praktiker:innen und Expert:innen Erfolgsfaktoren sowie Herausforderungen zu diskutieren. Bei regelmäßigen thematischen Online-Austauschformaten brachte „Gemeinsam für das Quartier“ die handelnden und interessierten Akteure miteinander ins Gespräch. Im Rahmengroßer Konferenzen und mit Fachveröffentlichungen präsentierte die Vernetzungsinitiativeihre Ergebnisse. Damit auch andere von den Erkenntnissen aus „Gemeinsam für das Quartier“ lernen können, wurden basierend auf den Austauschformaten Handlungsempfehlungen für Politik und Praxis entwickelt.

Alle öffentlichen Veranstaltungen der Vernetzungsinitiative sind hier im Bereich „Austausch“ dokumentiert.

Die Themen

Prioritäre Handlungsfelder waren zwischen 2023 – 2025 insbesondere die kulturelle Stadtentwicklung in Wohnquartieren, die Innenstadtentwicklung sowie Dritte Orte und die Transformation von Großimmobilien. Darüber hinaus hat die Vernetzungsinitiative die Entwicklung und die Mehrwerte kreativer Ökosysteme sowie den Einbezug junger und kreativer Stadtmacher:innen, insbesondere auch in Kleinstädten und ländlichen Räumen beleuchtet.

Die Auswahl der Handlungsfelder sowie die Priorisierung der Querschnittsthemen erfolgte gemeinsam mit den Netzwerkpartner:innen, dem Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen und dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung und orientierte sich an aktuellen Herausforderungen sowie an der Frage, wozu die Vernetzungsinitiative einen besonderen Beitrag leisten kann.

Die Ergebnisse, die die Vernetzungsinitiative in diesen Handlungsfelder gemeinsam mit den Netzwerkpartner:innen erarbeiten konnte, sind insbesondere in den drei Abschlussbroschüren „Kulturelle Stadtentwicklung in Wohnquartieren“, „Gemeinsam die Transformation unserer Innenstädte befördern“ und „Dritte Orte in der aktivierenden, gemeinwesenorientierten und koproduktiven Stadtentwicklung“ dargestellt.

Zudem hat die Vernetzungsinitiative drei Positionspapiere mit jeweils zehn Erfolgsfaktoren „…für eine kulturelle Wohnquartiersentwicklung durch die Wohnungswirtschaft“, „…für die langfristige Aktivierung neuer Akteure für die Transformation von Innenstädten“, und „…für die gemeinwesenorientierte Transformation von Großimmobilien“ veröffentlicht.